{"id":311,"date":"2010-05-24T22:48:55","date_gmt":"2010-05-24T21:48:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/untech-talk-gitarrensounds-finden\/"},"modified":"2010-05-24T22:48:55","modified_gmt":"2010-05-24T21:48:55","slug":"untech-talk-gitarrensounds-finden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/untech-talk-gitarrensounds-finden\/","title":{"rendered":"Untech Talk: Gitarrensounds finden"},"content":{"rendered":"<p>Heutzutage gibt es zwei grunds\u00e4tzliche Methoden, E-Gitarren aufzunehmen: Entweder man macht sich die recht umst\u00e4ndlich anmutende M\u00fche, ein Mikrofon auf einem Stativ (schraub, schraub, klemm, schraub&#8230;) vor dem Verst\u00e4rker zu platzieren und den Sound durch eben diese minuti\u00f6se Mikrofonplatzierung (wie weit weg, wie nah dran, schr\u00e4g oder gerade&#8230;) sowie durch <!--more-->das Drehen an diversen Kn\u00f6pfen (an der Gitarre, am Verst\u00e4rker, am Effektger\u00e4t usw.) von Hand zu erfummeln &#8211; oder man verzichtet auf Mikrofon und Verst\u00e4rker, was technisch viel leichter und schneller geht, schlie\u00dft ein Zauberwerkzeug an und w\u00e4hlt unter tausend und abertausend M\u00f6glichkeiten, den Sound mit einer Software im Computer zu &#8222;modulieren&#8220; (bzw. macht dasselbe mit einem kleinen Extra-Kistchen, das ebenfalls tausende Einstellm\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Sound bereith\u00e4lt: Zauberwerkzeug halt). <\/p>\n<p>Es gibt inzwischen sehr gute Zauberwerkzeuge &#8211; die Sounds der besten kann ich f\u00fcr meinen Teil nicht wirklich ehrlich von einem &#8222;Originalsound&#8220; unterscheiden. Trotzdem liegt mein altes Modulatorkistchen (das mir vor Jahren gute Dienste leistete: in den Anf\u00e4ngen) heute nur noch zur Zierde im Regal. Ich mache mir lieber die M\u00fche, ein Mikrofon vor dem Amp aufzustellen, es so rum oder so rum vor den Lautsprecher hinzudrehen, und so lange an den Verst\u00e4rkerkn\u00f6pfen und an der Gitarre selbst herumzufummeln, bis ein Sound entsteht, der mir gef\u00e4llt: Wohlgemerkt kann man den dann, ist er einmal aufgenommen, nicht mehr gro\u00df ver\u00e4ndern im Song. Stellt sich im Verlauf des Songmixens heraus, dass der so langwierig erschraubte Klang doch nicht so gut f\u00fcr das Lied ist, muss man die Aufnahme wiederholen, mit anderer Vor-Einstellung, und alles nochmal spielen. Uff! Selbst wenn es aber auf Anhieb klappt, dauert diese Methode gut und gern zehn mal l\u00e4nger als die technisch viel bequemere und komfortablere &#8222;Modulation&#8220;: bei der sich noch in jedem Nachhinein (wenn alles l\u00e4ngst eingespielt ist) ratzfatz umschalten l\u00e4sst von Ultrabrett bis megaclean und zur\u00fcck&#8230; in unz\u00e4hligen flie\u00dfenden Variationen.<\/p>\n<p>Puristen behaupten, keine Modulation klingt sooo gut wie das Original. Wie gesagt &#8211; dem kann ich nichtmal beipflichten. Ich w\u00e4hle die alte, umst\u00e4ndliche Methode &#8211; aber aus einem ganz andern Grund. Ich habe einen Verst\u00e4rker und eine Gitarre und zwei Effektger\u00e4te (einen Verzerrer und ein Wah-Wah) &#8211; die Soundm\u00f6glichkeiten dieser Hardware sind begrenzt und \u00fcberschaubar. Genau darin jedoch liegt der Witz, der Dreh, die wahre Macht. Denn was mir die Modulation so verf\u00fchrerisch erspart, ist der <em>Weg <\/em>zum Sound. Der Weg aber hat sich als unverzichtbar, als alternativlos erwiesen. Wenn ich einen Klang mit H\u00e4nden an Kn\u00f6pfen erfummelt habe, dann IST es ein Klang: Ich wei\u00df dann, warum es so klingt wie es klingt &#8211; ich habe mich langsam und allm\u00e4hlich darauf hin bewegt, habe es geschaffen, so wie man beim Kochen eine Prise von diesem oder jenem zusetzt. Und da macht man nicht pl\u00f6tzlich aus W\u00fcrstchen, die noch nicht ganz so ideal schmecken, ein ganz anderes Mahl, z.B. ein Gem\u00fcsegericht. Da w\u00fcrzt man die W\u00fcrstchen, bis sie so schmecken wie sie sollen. Auch wenn das l\u00e4nger dauert, als z.B. von Schaschlik auf Sushi umzuschalten und dann auf Suppe und dann doch wieder auf Steak. Der Weg des Schaffens ist letztlich kein beliebiger: Man k\u00e4mpft sich durch eine bestimmte Landschaft, die sich nur allm\u00e4hlich ver\u00e4ndert, und nie so rabiat, als wenn man sie pl\u00f6tzlich komplett wechselt. <\/p>\n<p>Ich gewann das deutliche Gef\u00fchl: Erst, wenn man seinen Weg gegangen ist, steht man wirklich dort, wo man angekommen ist &#8211; man wei\u00df, wo man war, wo man herkam, und wie man an den neuen Ort gelangte, ist eine Geschichte, die stark macht. Wer zauberm\u00e4\u00dfig abk\u00fcrzt, sich &#8222;teleportiert&#8220; oder &#8222;hinbeamt&#8220; per Technik, hat keine Erfahrung gemacht, sondern sich um eine betrogen. Und ich glaube, dass man sowas, im musikalischen Fall, auch h\u00f6rt. H\u00f6rt euch die neuen Songs der Singv\u00f8gel an: Jeder einzelne Klang ist seinen Weg gegangen, jeder Sound hat seinen spezifischen Dreck am Stecken. Es lebt. &#8222;Sitzt, passt, wackelt und hat Luft&#8220;, sagte man fr\u00fcher. Nichts ist beliebig. Alles Erfahrung. Und jede: Gold wert. Meine E-Git hei\u00dft Chica, mein Amp Bo (nach Bo Diddley;-). Der Verzerrer hei\u00dft &#8222;Schreihals&#8220; und der Morley-Wah &#8222;Wacka-Wacka&#8220;. Ganz am Ende sind es aber immer und so wie so die Finger: die den Klang pr\u00e4gen. Die Finger, nicht die Kn\u00f6pfe. Das ist <em>mein <\/em>Zauber. Und somit bin ich kein Zauberlehrling von Ger\u00e4ten, sondern ein Zauberlehrling erfingerter Musik. H\u00f6rt, wie es klingt! Wenn ihr es nicht m\u00f6gt &#8211; Schwamm dr\u00fcber, dann h\u00f6rt halt was oder wen anderes. Aber wenn ihr es m\u00f6gt, ist es mein Werk. Trifft mich direkt. Euch genauso. Auch auf den Saiten: schreibe ich immer nur Liebesbriefe. Von Herz zu Herz. Und deshalb lohnt sich die M\u00fche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heutzutage gibt es zwei grunds\u00e4tzliche Methoden, E-Gitarren aufzunehmen: Entweder man macht sich die recht umst\u00e4ndlich anmutende M\u00fche, ein Mikrofon auf einem Stativ (schraub, schraub, klemm, schraub&#8230;) vor dem Verst\u00e4rker zu platzieren und den Sound durch eben diese minuti\u00f6se Mikrofonplatzierung (wie weit weg, wie nah dran, schr\u00e4g oder gerade&#8230;) sowie durch<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,11],"tags":[],"class_list":{"0":"post-311","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-duke","7":"category-weblog","8":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=311"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/311\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=311"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=311"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=311"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}