{"id":459,"date":"2012-09-16T16:32:53","date_gmt":"2012-09-16T15:32:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/vom-quietschen-im-moor\/"},"modified":"2012-12-06T15:48:12","modified_gmt":"2012-12-06T14:48:12","slug":"vom-quietschen-im-moor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/vom-quietschen-im-moor\/","title":{"rendered":"Vom Quietschen im Moor&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><b>(&#8230;und danach und davor)<\/b><\/p>\n<p><em>Sonntag, 16. September 2012<\/em><\/p>\n<p>Ist schon eine Weile her, dass wir in England waren. Danach aber ging erst richtig der B\u00e4r ab und die Post los &#8211; <a href=\"http:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/9-songs-in-5-tagen-aufnahmewoche-mit-ingo-vogelmann\/\">Produzent! Plattenaufnahmen!<\/a> &#8211; <a href=\"http:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/videodreh-dea-dia-in-den-scheidtschen-hallen-in-essen-kettwig\/\">Videodreh!<\/a> &#8211; und so fiel uns erst sp\u00e4ter auf, dass es \u00fcber unseren Fr\u00fchlingstrip auf die englischste Insel der Welt noch gar keinen Bericht gab. Hier ist er!<\/p>\n<p><strong>Woher wir kamen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12485712\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Aufbau f\u00fcr die Vorlesung in Plymouth\" alt=\"Aufbau f\u00fcr die Vorlesung in Plymouth\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/57\/12\/12485712.9d4ceec6.240.jpg\" height=\"180\" width=\"240\" align=\"left\" style=\"padding: 0 20px 20px 0;\" \/><\/a>Eingeladen hatte uns die Universit\u00e4t von Plymouth f\u00fcr einen Vortrag \u00fcber &#8222;Engaged Rock Music in Germany&#8220; &#8211; verbunden mit einem Auftritt, aber die Herausforderung war nat\u00fcrlich, schon ungewohnterweise, der Vortrag. <!--more--><\/p>\n<p>Der wuchs sich schon beim Vorbereiten am heimischen Beamer zu einer pers\u00f6nlichen Zusammenfassung der deutschen Nachkriegsgeschichte aus: so viel, was erkl\u00e4rt werden musste, so viel, was in Westdeutschland anders lief als in Gro\u00dfbritannien &#8211; angefangen mit dem Umstand, dass es mit BRD und DDR zwei deutsche Staaten gab, in denen sich ganz unterschiedliche kulturelle Eigenheiten herausbildeten. Und nicht aufgeh\u00f6rt damit, dass es in Westdeutschland bis in die 80er Jahre hinein keineswegs selbstverst\u00e4ndlich war, Rock in der eigenen Muttersprache zu singen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12485722\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Nach der Vorlesung ins Pub\" alt=\"Nach der Vorlesung ins Pub\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/57\/22\/12485722.071f9607.240.jpg\" height=\"180\" width=\"240\" align=\"right\" style=\"padding: 20px 0 20px 20px;\" \/><\/a>Um zu erkl\u00e4ren, warum sich welche Eigent\u00fcmlichkeiten wie verhielten und welchen Umst\u00e4nden sie entsprangen, mussten wir eine Ecke weiter zur\u00fcckgreifen als unsere Leben reichten. Was sich jedoch lohnte: So manches scheinbar Selbstverst\u00e4ndliche fiel uns da selbst erst so richtig auf als Folge bestimmter Entwicklungen und Ereignisse; sch\u00e4rfte unser eigenes Bewusstsein daf\u00fcr, woher wir kommen, was wir wurden, was wir sind.<\/p>\n<p>Nicht nur Vortrag und Recherche, auch der Trip selbst sollte sich lohnen, und so dehnten wir den Ausflug auf nicht weniger als neun N\u00e4chte: wenn schon, denn schon. Nicht alle Tage wird man als deutsche Band eingeladen ins Mutterland des Rock. <\/p>\n<p>Nicht unser einziger Grund, England zu m\u00f6gen: Karan ist es seit ihrer mehrj\u00e4hrigen Ausbildung am Dartington College of Art (das es jetzt leider nicht mehr gibt) zur zweiten Heimat geworden, Sven sch\u00e4tzt die englische Lebensart (&#8222;Communitiy&#8220;) &#8211; und ich bin zwar kein Fan englischer K\u00fcche, aber umso mehr von Salt &#038; Vinegar Chips (die auf dem Kontinent nur schlecht kopiert werden) und, ja, zugegeben, ich mag das englische Bier: das mit keinem Schaum oben den Glasrand adh\u00e4siert. Richtig verr\u00fcckt bin ich nach Ginger Beer &#8211; kein Bier, sondern ein Ingwerkracherl (eine Ingwerlimo): leider nur in winzigen Fl\u00e4schchen erh\u00e4ltlich, die nach eineinhalb Schl\u00fcckchen leer sind.<\/p>\n<p>Ich mag auch Land und Leute. Und sogar die Sprache.<\/p>\n<p><strong>Die rote regenlose Stadt<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12465806\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"London\" alt=\"London\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/58\/06\/12465806.3d3d34ed.240.jpg\" height=\"180\" width=\"240\" align=\"left\" style=\"padding: 0 20px 20px 0;\" \/><\/a>Bei Ben kamen wir unter, einem Freund und <a href=\"http:\/\/www.fawm.org\" target=\"_blank\">FAWM<\/a>-Kollegen, f\u00fcr die ersten N\u00e4chte, und er zeigte uns &#8211; live in echt und bei Tag &#8211; seine Heimat London, die vollste Stadt des Universums. <\/p>\n<p>London ist zugleich die unglaublichste Stadt des Universums &#8211; man muss annehmen, dass Neil Gaimans Abenteuergeschichte dar\u00fcber keine Phantasterei, sondern wahr ist: das Mystische und Abgr\u00fcndige lauert \u00fcberall, ist nur einen Schritt entfernt (und das \u00fcbertrifft glatt noch Wien). London hat die zweist\u00f6ckigsten und r\u00f6testen Busse, die ganzk\u00f6rperlichsten und r\u00f6testen Telefonzellen (hier h\u00e4tte Superman noch Umzugsm\u00f6glichkeiten), die r\u00f6testen Nasen (cheers!), die err\u00f6tendsten Sonnenunterg\u00e4nge und die engsten Tuben. Nicht Senf-, sondern U-Bahn-Waggons und Tunnel. Sch\u00f6n anglizierend sprachen wir davon, die &#8222;Tube zu nehmen&#8220;, mit der &#8222;Tube zu fahren&#8220; und taten das dann auch. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12469633\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"FAWM Over Party\" alt=\"FAWM Over Party\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/96\/33\/12469633.9aa2e2e9.240.jpg\" height=\"240\" width=\"180\" align=\"right\" style=\"padding: 0 0 20px 20px;\" \/><\/a>Trotz der Themse, die mitten durch die Stadt flie\u00dft, ist London voller H\u00e4user, weiter als Augen und Vorstellungsverm\u00f6gen reichen, es gibt aber derartig viele Menschen dort, dass sie selbst in diese Vielzahl von H\u00e4usern und Geb\u00e4uden bei weitem nicht alle hineinpassen, weshalb sie, die Menschen, jeden steinernen Winkel, Platz und Flecken bev\u00f6lkern, und zwar in einem Ausma\u00df, dass es wenig ausmachte f\u00fcrs Erste, wenn sie mal alle ohnm\u00e4chtig w\u00fcrden, da sie gar keinen Platz h\u00e4tten, umzufallen &#8211; so dicht gedr\u00e4ngt wuseln sie (au\u00dfer nat\u00fcrlich in den dorfgro\u00df ausgedehnten Parks, da hat man Platz, da sind weniger Eingeborene und weniger Zugereiste, aber herrlich viele Eichh\u00f6rnchen). Zumindest im endenden M\u00e4rz 2012 war das so, unter dem blauesten Himmel aller Inselzeiten. Klischees hin oder her: In 9 Tagen England hatten wir &#8211; wir schw\u00f6ren es beim ungesehenen Schamhaar der K\u00f6nigin &#8211; keinen einzigen Tropfen Regen. <\/p>\n<p>Singv\u00f8gel on stage in London City: im &#8222;Mason &#038; Taylor&#8220; auf der FOP. Das ist die allj\u00e4hrliche &#8222;FAWM Over Party&#8220; (auf Deutsch: Februar-Album-Schreibe-Monat-Vor\u00fcber-Feier), auf der anwesende FAWMer einander ihre Songs vorspielen: just for fun, wie es dem Geist der gleichnamigen globalen Liederwerkstatt entspricht. <\/p>\n<p>Aus Germany war au\u00dfer uns Singv\u00f8geln noch Roberta aus Schwaben da &#8211; genau, die tolle S\u00e4ngerin mit der gro\u00dfen Ukulele! Es gab soviel Bier auf der FOP, dass ich jetzt gar nicht mehr wei\u00df, wer wann was alles sang, aber darf davon ausgehen, dass es anderen auch so ging. Das Essen im Pub war einsame Spitze, der Preis ebenso &#8211; ich musste die Anschaffung der ersehnten Gibson nochmal um ein J\u00e4hrchen verschieben. \ud83d\ude09 <\/p>\n<p>Oh, und die Busse sind rot in London, besonders im zweiten Stock, also Busgeschoss, meine ich. So rot sind die, das glaubst du nicht! Falls ich das noch nicht erw\u00e4hnt habe!<\/p>\n<p><strong>Pferdejazz und Nebelraunen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12590945\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Improvocation\" alt=\"Improvocation\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/09\/45\/12590945.ee6d6e11.240.jpg\" height=\"180\" width=\"240\"  align=\"left\" style=\"padding: 0 20px 20px 0;\" \/><\/a>Ich wei\u00df nicht genau, wie es passiert ist oder wie uns geschah &#8211; aber it happened, wie man in GB sagt. Tatort &#8222;Bay Horse Inn&#8220; im sch\u00f6nen Totnes &#8211; das ist ein St\u00e4dtchen in Devon. Das Devon ist eine liebliche Landschaft, nach der ein Erdzeitalter benannt ist, und die &#8222;Strandgaulkneipe&#8220; vulgo &#8222;Pferdebucht-&#8220; oder besser &#8222;Buchtpferd&#8220;-Kaschemme der Ort, wo, ich gebe es zu, wir uns des Spielens von Jazz (!) mehr oder minder schuldig machten. <\/p>\n<p>Wir konnten nichts daf\u00fcr, die Atmo verf\u00fchrte uns, vielleicht war es auch das gute englische Bier oder die Anwesenheit solch hervorragender Musiker\/innen wie Sam Richards (Klavier &#038; Bandoneon), Richard Gonski (Klavier &#038; Synthesizer) und Rachel Miller (Querfl\u00f6te &#038; Gesang)&#8230; Juristisch wird sich die Angelegenheit nicht mehr kl\u00e4ren lassen. Aber es gibt Beweise. Die komplette Session wurde mitgeschnitten. Zu den Genannten gesellten sich: Karan mit Querfl\u00f6te und Gesang, Sven Scholz mit Percussion (Cajon und Drumrum) und Duke Meyer am (fretless) Bass. Vollkommen spontan, ungeplant und ohne jede Absprache &#8211; was soll dabei rauskommen au\u00dfer einer Musik, die, wie Sam sp\u00e4ter l\u00e4chelnd bemerkte, zu einer Sorte geh\u00f6re, die sich vielleicht sch\u00f6ner spielen lasse als sie sich wom\u00f6glich anh\u00f6re&#8230; <\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"166\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"http:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F58779192%3Fsecret_token%3Ds-qgiBs&#038;show_artwork=true&#038;secret_url=true\"><\/iframe><\/p>\n<p>Der ironische Unterton war ganz unn\u00f6tig, der ziemlich rammelvolle Laden lie\u00df sich&#8217;s gefallen und das stundenlang; zu meinem gr\u00f6\u00dften Erstaunen \u00fcberh\u00e4ufte man uns in der Pause gar mit allerlei Lob. Was mich f\u00fcr den zweiten Teil &#8211; ebenso voll improvisiert wie der erste &#8211; gleich ein bisschen sicherer machte&#8230; Und ich gebe zu (also so ganz heimlich unter uns, hier in der potentiellen Welt\u00f6ffentlichkeit): Dieses v\u00f6llig freie und planlose Spiel &#8211; es machte richtig Spa\u00df. Aber sagt&#8217;s nicht weiter!<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"166\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"http:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F58778304%3Fsecret_token%3Ds-TqnUU&#038;show_artwork=true&#038;secret_url=true\"><\/iframe><\/p>\n<p>Zur protokollarischen Vervollst\u00e4ndigung sei angemerkt, dass das Syndikat, \u00e4h, Projekt, zu dessen Mitt\u00e4tern wir Singv\u00f8gel tats\u00e4chlich geh\u00f6ren, einen Namen tr\u00e4gt, der gleichzeitig Programm ist: <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/improvocation\" target=\"_blank\">&#8222;Improvocation&#8220;<\/a>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"100%\" height=\"166\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"http:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Ftracks%2F58778561%3Fsecret_token%3Ds-LGLQU&#038;show_artwork=true&#038;secret_url=true\"><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Unten im Sumpf<\/strong><\/p>\n<p>Weniger \u00d6ffentlichkeit drohte tats\u00e4chlich Tage sp\u00e4ter und ein paar Meilen weiter nebelw\u00e4rts: ins Dartmoor ging&#8217;s, in nahezu gleicher Besetzung, Instrumente huckepack, ein wenig windig war&#8217;s und k\u00fchl. Wir lie\u00dfen uns nieder an einem erstaunlichen Platz. Eine alte Seilwinde stand da, mit der einst Lasten \u00fcber einen Teich gezogen wurden &#8211; lang her, die Winde ist verrostet, der Teich ein Sumpf, von der Fabrik stehen nurmehr ruin\u00f6se Reste. <\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520816\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"120331 1225 DSC0681\" alt=\"120331 1225 DSC0681\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/08\/16\/12520816.ad9c743c.560.jpg\" height=\"372\" width=\"560\" \/><\/a><\/p>\n<p>Verwunschen nicht nur der Anblick: Wie die Ortskundigen bereits wussten, lie\u00df sich die Kurbel der Winde drehen &#8211; und gab dabei, je nachdem wie schnell oder langsam man das tat &#8211; quietschende Ger\u00e4usche in unterschiedlichen Intensit\u00e4ten und Tonh\u00f6hen von sich. Irgendwo zwischen halb vergessenen Anf\u00e4ngen der &#8222;Einst\u00fcrzenden Neubauten&#8220; und dem unvergessenen (aber gr\u00f6\u00dferem Publikum nie wirklich bekannt gewordenen) Theremin: analoge Version, in dem Fall. Stromlose Version: eine alte Seilwinde. Quietsch, quiii\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4\u00e4rk ki\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6nghh. <\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520948\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"120331 1235 DSC0693\" alt=\"120331 1235 DSC0693\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/09\/48\/12520948.4ccf4218.560.jpg\" height=\"229\" width=\"560\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir wechselten uns an der Kurbel ab und die anderen improvisierten dazu, auf verschiedenen Instrumenten. Hatte man&#8217;s im Bay Horse Inn noch &#8222;Jazz&#8220; nennen k\u00f6nnen, wurde es dort drau\u00dfen im Moor ganz seltsam, ganz eigenartig, eigent\u00fcmlich. Es war ja nicht laut: ein bakterienbetriebenes 2-Watt-W\u00fcrfelchen f\u00fcr den E-Bass, hier mal mit Delay, alle anderen Instrumente &#8211; Cajon, Fl\u00f6ten, Stimmen &#8211; akustisch. Rund ums Quietschen der Seilwinde. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12521055\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20120331 130545\" alt=\"20120331 130545\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/10\/55\/12521055.33bb23fb.240.jpg\" height=\"180\" width=\"240\" align=\"right\" style=\"padding: 0 0 20px 20px;\"\/><\/a>Es wurde trancig, ruhig und gel\u00f6st, wir sprachen kaum. Lie\u00dfen es kommen, wie es wollte. Irgendwann sa\u00dfen die Frauen zusammen und lie\u00dfen einen rhythmischen Gesang auf- und abschwellen in einer neuen Sprache (vielleicht war sie aber auch nur so uralt, dass sie keiner mehr von uns Lebenden kannte). Der sumpfige Boden um die Winde herum zwang zu einer angespannten K\u00f6rperhaltung beim Drehen und Quietschenlassen. Sam stand irgendwann mit dem Bass da und drehte immer mehr Delays hinein &#8211; die k\u00fcnstlich emulierten Einbau-Effekte des Amp-W\u00fcrfelchens bekamen im Wind des Moors, wo sie sich an der freien Luft herumzutreiben begannen wie Blubberblasen, die dort auch nicht daheim sind, ein interessantes Eigenleben. Svens Handfl\u00e4chen auf dem Cajon fanden flatternde Echos an fernen Felsen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520976\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"120331 1250 DSC0710\" alt=\"120331 1250 DSC0710\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/09\/76\/12520976.a8fac7f0.240.jpg\" height=\"150\" width=\"240\" align=\"left\" style=\"padding: 0 20px 20px 0;\" \/><\/a>Ich war schon auf vielen Sessions, darunter auch abgedrehten &#8211; als 20j\u00e4hriger habe ich schonmal Styropor auf Lack gerieben, Eisen auf Blech geschlagen und Texte aus B\u00fcchern rezitiert, dies alles zugleich (und fragt nicht, was die anderen dazu t\u00f6nen lie\u00dfen), aber auch schon bessere Musik gemacht, manchmal sogar richtig gute: gl\u00fcckliche, gelungene; ich habe brechlaute und fl\u00fcsterleise Momente in Erinnerung, ekstatische, euphorische und vertrancte, chillige, geile und gro\u00dfartige, urlange mit vielen Djemben und noch mehr M\u00f6beln, andere auf engstem Raum aber aus offenstem Geist, Vereinigungen br\u00fcllender Gitarren mit hauchzarten Fl\u00f6tent\u00f6nen, aufw\u00e4ndige Sessions mit mannshohen Verst\u00e4rkert\u00fcrmen und endlosen Solierern davor, aber noch mehr ganz ohne, in Hallen und im Freien und z.T. unter wirklich kuriosen Umst\u00e4nden und an ebensolchen Orten. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520996\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"120331 1250 DSC0715\" alt=\"120331 1250 DSC0715\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/09\/96\/12520996.f7c2672a.240.jpg\" height=\"166\" width=\"240\" align=\"right\" style=\"padding: 0 0 20px 20px;\"  \/><\/a>Aber die leicht weggetretene Session im Dartmoor, Ende M\u00e4rz 2012, war eine der merkw\u00fcrdigsten, der ich beiwohnte, an der ich mich beteiligte, die mir passierte.<\/p>\n<p>Noch unentschieden, ob es angebracht ist, auch davon einen oder ein paar Schnipsel zu ver\u00f6ffentlichen. Den Mitschnitt hab ich mir, ehrlich gesagt, noch gar nicht angeh\u00f6rt. In meiner Erinnerung liegt ein sanft-zauberhaftes Ereignis am letzten M\u00e4rznachmittag des Jahres, an dem die &#8211; etwas zu k\u00fchle &#8211; Luft mehr trug als nur den Klang, den wir da t\u00f6nen und sich zusammensetzen lie\u00dfen aus der Natur, die uns umgab, und der, die in uns wohnte und sich bitten lie\u00df. Ich wei\u00df nicht, ob die Aufnahme \u00fcberhaupt etwas geworden ist &#8211; und bin mir nicht sicher, ob sich dem Ohr erschlie\u00dft, was die Herzen trieb, der Seele blieb. <\/p>\n<p>Egal! Schon hab ich mich verquatscht, so ausschweifend verplaudert!<\/p>\n<p><strong>Fish &#038; Friends<\/strong><\/p>\n<p>So viele Begegnungen noch waren&#8217;s, Gespr\u00e4che, tiefsch\u00fcrfend und hochfliegend (oft beides in einem) &#8211; und auch ein langes Schweigen: als wir (zu dritt: Karan, Sven und ich, nach einem wunderbaren Mittagessen mit Lona und Sam) zum Steinwald fanden, Wistmans Wood, Stunden sp\u00e4ter. <\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12519133\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Wistmans Wood - Dartmoor - 120331\" alt=\"Wistmans Wood - Dartmoor - 120331\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/91\/33\/12519133.40abed5c.560.jpg\" height=\"337\" width=\"560\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir waren durchs Dartmoor gewandert, immer der Nase nach und auf den n\u00e4chsten H\u00fcgel am Horizont zu, einen halben Nachmittag lang: hin zum gr\u00fcnen Rand. Dort war ein Wald, ein Eichenwald, der mehr von dieser Erde war als wir, der zauberhafter schien als die versponnenste Erz\u00e4hlung, wo moosbewachsen, flechtbehangen, Stein und Bein und Holz sich aalten, miteinander, ineinander verwachsen und verwoben, verschlungen und vereinigt, und ohne feste Grenze, was davon wo aufh\u00f6rte und wo begann. Die Luft war baumig dort und borkig, wir wurden still: denn soviel Stille gab&#8217;s zu lauschen. <\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12518892\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Wistmans Wood - Dartmoor - 120331\" alt=\"Wistmans Wood - Dartmoor - 120331\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/88\/92\/12518892.8e6f24e4.560.jpg\" height=\"372\" width=\"560\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dick wie Suppe war die Stille, so voller unerh\u00f6rter T\u00f6ne, die aber alle was erz\u00e4hlten: bei minus XXL Dezibel. Wir lauschten dem Schweigen der Bl\u00e4tter. Beteiligten uns schweigend am stummen Palaver der Gesch\u00f6pfe, mischten uns unter sie, einzeln stiegen wir herum. Wie wenn die Seelen sich dort niederlie\u00dfen: aber geh\u00f6rte das zur Welt? Nicht zur sonst vertrauten. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12518865\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Wistmans Wood - Dartmoor - 120331\" alt=\"Wistmans Wood - Dartmoor - 120331\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/88\/65\/12518865.72d6f104.240.jpg\" height=\"181\" align=\"right\" width=\"240\" style=\"padding:0 0 20px 20x;\" \/><\/a>Ich h\u00f6rte den B\u00e4umen zu, den Flechten, den Moosen, den Steinen, dem niedrigen Himmel und dem tiefen Grund. Fand meine Kuhle, an einem Baum, lie\u00df mich dort nieder, wohin ich geh\u00f6rte, woher ich &#8211; so schien es mir &#8211; schon immer gekommen. Alles ging fort: als erstes die Zeit, als zweites die Sorge, als drittes der Gedanke. Der Baum lie\u00df mich leben, die Luft lie\u00df mich atmen, die Schwerkraft hielt mich auf dem Moos, das Moos war mein Sessel. <\/p>\n<p>Ich lie\u00df mein Menschsein mitziehen mit den anderen Illusionen (Zeit, Sorge, Gedanke), gab&#8217;s fort wie einen Mantel an die Garderobe: erleichtert. Lehnte am Baum, und nein, sah keine Elfen, wurde nur selber gr\u00fcn und moosig, farnleicht und borkenwild, verzwergte und verzweigte, vergnomte und verelfte mich auf meine Weise, was hei\u00dfen mag: auf jenes Baumes Weise, nach den Regeln des Steinwaldes. Wurde sein Gesch\u00f6pf f\u00fcr &#8211; gesch\u00e4tzt &#8211; vielleicht so hunderttausend Jahr&#8216;.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck ins Jetzt und Dort: <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:center;\"><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12485701\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Bei Torcross\" alt=\"Bei Torcross\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/57\/01\/12485701.7d58a1b1.560.jpg\" height=\"258\" width=\"560\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anderen Tages, anderen Ortes, a\u00dfen wir Fish &#038; Chips am Strand &#8211; die bessere Portion. Amy fand das Klavier, au\u00dfer uns keine G\u00e4ste im hallengro\u00dfen Strandlokal, und lie\u00df es klingen. Sp\u00e4ter noch Session in ihrer Wohnung. Wir machten viel Musik in England und bekamen besser zu essen als die Engl\u00e4nder. Was nat\u00fcrlich verf\u00fchrerisch ist. Wir wollen wiederkommen. Auch grad der Freunde wegen. Der Menschen wie der anderen. Auf Wiedersingen. Wiederf\u00fchlen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12470492\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"FAWM Over Party - London - 120325 (mobile)\" alt=\"FAWM Over Party - London - 120325 (mobile)\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/04\/92\/12470492.957d8086.100.jpg\" height=\"75\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12469066\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"London\" alt=\"London\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/90\/66\/12469066.fb2f7593.100.jpg\" height=\"75\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520297\"  target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20120328 160246\" alt=\"20120328 160246\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/02\/97\/12520297.54f1934b.100.jpg\" height=\"75\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520192\"  target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"20120328 140240\" alt=\"20120328 140240\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/01\/92\/12520192.fdf92cf0.100.jpg\" height=\"75\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12485509\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Fish &#038; Chips @ Boat House Torcross - 120330 (mobile)\" alt=\"Fish &#038; Chips @ Boat House Torcross - 120330 (mobile)\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/55\/09\/12485509.3593b8a0.100.jpg\" height=\"75\" width=\"100\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12485662\"  target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Glastonbury Tor\" alt=\"Glastonbury Tor\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/56\/62\/12485662.72c751c7.100.jpg\" height=\"67\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12476339\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Avebury - 120326\" alt=\"Avebury - 120326\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/63\/39\/12476339.0157f692.100.jpg\" height=\"67\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12485376\"  target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Im Meer - Devon - 120328\" alt=\"Im Meer - Devon - 120328\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/53\/76\/12485376.16325ba7.100.jpg\" height=\"67\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/sven\/12484871\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Dartington Hall - 120327\" alt=\"Dartington Hall - 120327\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/48\/71\/12484871.7421284c.100.jpg\" height=\"67\" width=\"100\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.ipernity.com\/doc\/singvoegel\/12520525\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"120330 1635 DSC0616\" alt=\"120330 1635 DSC0616\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/22\/05\/25\/12520525.0548c803.100.jpg\" height=\"67\" width=\"100\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>[dm]<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(&#8230;und danach und davor) Sonntag, 16. September 2012 Ist schon eine Weile her, dass wir in England waren. Danach aber ging erst richtig der B\u00e4r ab und die Post los &#8211; Produzent! Plattenaufnahmen! &#8211; Videodreh! &#8211; und so fiel uns erst sp\u00e4ter auf, dass es \u00fcber unseren Fr\u00fchlingstrip auf die englischste Insel der Welt noch [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8,11],"tags":[],"class_list":{"0":"post-459","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","6":"category-duke","7":"category-weblog","8":"czr-hentry"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=459"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.singvoegel.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}