„Operation GEMA-Vermutung“ des Musikpiraten e.V. 1


Samstag, 8. Oktober 2011

Der Verein Musikpiraten e.V. ruft Musiker, Komponisten, Texter, die nicht in der GEMA organisiert sind, auf, sich in einer Datenbank einzutragen, die ebensolche Künstler erfassen möchte. Ziel ist es u.a., damit zu zeigen, dass die sogenannte „GEMA-Vermutung“ auf nicht mehr zutreffenden Annahmen beruht:

-> Operation „GEMA-Vermutung“

Die GEMA behauptet, die Mehrheit der Urheber wäre bei ihr organisiert. Daraus leitet sie unter anderem das Recht ab, bei jeder CD-Produktion Auskunft zu verlangen, wer die Urheber der Lieder sind. Bei einer Namensgleichheit fordert sie Geld von dem Produzenten der CD. Dies erfolgt auch, wenn ein Stück diesen Namens von dem vermeintlichen Urheber bei der GEMA nicht angemeldet wurde. Begründet wird dies damit, dass der Urheber die Anmeldung ja vergessen haben könnte. Um die Überholtheit diese Vermutung zu beweisen, sammelt der Musikpiraten e.V. Daten von Urhebern, die gemafreie Musik produzieren. Ziel ist es, mehr als 64.778 Datensätze zu sammeln, dies entspricht der Anzahl der GEMA-Mitglieder im Jahr 2010.
[…]
„Wir halten diese Vermutung für nicht zeitgemäß und vor allem rechtstaatlich nicht haltbar“, erklärt Christian Hufgard, 1. Vorsitzender der Musikpiraten. „Wenn die GEMA Geld für die Nutzung oder Verbreitung von Musik verlangt, dann ist es an ihr zu beweisen, dass sie daran die Rechte hält.“

Die GEMA-Vermutung ist auch nach unserer Erfahrung ein großer Hemmschuh für kleine Veranstalter und Festivals, und in der Folge für „kleine“ Bands, die auf solchen Veranstaltungen spielen möchten, aber immer weniger Gelegenheiten vorfinden. Viele kleine Clubs haben von Musik auf „Comedy“ oder „Kabarett“ umgestellt (wenn sie überhaupt noch existieren), kleine Festivals können sich kaum mehr finanzieren und werden zusätzlich mit immer höheren Kosten konfrontiert, mit dem Ergebnis, dass so etwas wie „Gagen“ heutzutage eine aussterbende Ausnahme darstellt, nur mit viel Glück bekommt man überhaupt Spesen bezahlt. Nicht, weil die Veranstalter das nicht wollten – die meisten können es schlicht nicht.

Das alles hat freilich nicht ausschließlich mit der GEMA-Vermutung und dem Aufwand und den Kosten zu tun, den diese verursacht, sondern mit der allgemeinen „Wertlosigkeit“ von Kultur – selbst von populärer Kultur – in einer Gesellschaft, in der „Wert“ gleichgesetzt ist mit „Geld“.

Aber auch diese Entwicklung ist letztlich ironischerweise ein weiterer Grund dafür, warum diese GEMA-Vermutung nicht mehr zeitgemäß ist: viele („kleine“, unabhängige) Musiker haben und bekommen nichts von einer GEMA-Mitgliedschaft (um eine relevante Ausschüttung muss man Kriterien erfüllen, für die man es zu einem Grad „geschafft“ haben muss, der für viele kleine Bands außerhalb jeglicher Realität liegt) und sind deshalb auch nicht mehr „automatisch“ Mitglied in diesem Verein (es ist ein Verein, kein öffentlich-rechtliches Amt, keine Behörde – dennoch gesteht man ihm mit der GEMA-Vermutung ein gesetzlich(!) festgeschriebenes Recht zu?).

Ein kleiner Veranstalter, der für eine Band GEMA-Gebühr zahlen muss, kann der Band meist kaum noch eine Gage anbieten. Und die Band sieht im Zweifel aber von dieser Gebühr wenig bis gar nichts. Was effektiv heißt: man spielt umsonst, und die „Gage“ geht an Grönemeyer oder Bohlen.

Der Normalfall eines Musikers heute ist doch der, dass man eben nicht von der Musik, die man macht, leben kann. Die meisten haben einen „Brotjob“, oder halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, bestenfalls gibt man Unterricht oder macht in kommerziellen Projekten (Tanzmucke etc.) wenigstens noch irgendwas mit Musik, aber von der eigenen Musik leben? Das können doch die wenigsten. Und diese Musiker sind es, die die hier erfasst werden sollen. Denn letztlich gilt auch und gerade in den sehr prekären Verhältnissen der „Kulturschaffenden“ deutlich zu zeigen, wie es wirklich ist – denn auch hier gilt: We are the 99%!

Ein weiterer Punkt, warum es heutzutage nicht mehr „automatisch“ eine Option ist, in die GEMA einzutreten, wenn man eigene Musik macht, ist, dass man sich vieler heutiger Möglichkeiten beschneidet oder zumindest Einschränkungen in Kauf nehmen muss: CC-Tracks? Tracks zum freien Streamen herausgeben? Einen Youtube-Kanal betreiben? Alles teils unmöglich, teils mit viel Aufwand verbunden und der Gefahr, dass andere Ärger kriegen (siehe die CC-Cd des Musikpiraten e.V., wo es ja nicht einmal um GEMA-Mitgliedschaften geht sondern solche nur ohne Prüfung auf Richtigkeit „vermutet“ wird).

Darum unterstützen wir (nicht nur weil ich im Vorstand des Vereins hocke ;-)) den Aufruf, sich in die Datenbank GEMA-freier Künstler einzutragen, aufs heftigste.

Zum einen, um deutlich machen zu können, dass die Annahme, auf der dieser veraltete Paragraph basiert, nicht mehr den Tatsachen entspricht und dieser deshalb gestrichen gehört, und in der Folge auch die GEMA Ansprüche, die sie erhebt, belegen muss, wie das in der „freien Wirtschaft“ normalerweise üblich ist (und „Wirtschaft“ will man ja sein, man redet ja in diesen Termini, wenn man Rechnungen schreibt, Gewinne ausweist und letztlich die ungleichen Ausschüttungen auf den wirtschaftlichen Erfolg basieren lässt, den ein Musiker erzielt, indem der wirtschaftlich erfolgreiche auch die meisten Ausschüttungen zu erwarten hat, etc. pp.).

Sondern auch, weil so eine Datenbank am Ende für Veranstalter interessant werden kann: wenn man ein GEMA-freies Festival plant. Oder GEMA-freie Musik publizieren möchte (freie Radiostationen, Musikportale, etc. fielen mir da ein). Oder Kooperationen zwischen Musikern stattfinden sollen, aber man freilich nicht plötzlich durch die GEMA-Mitgliedschaft eines Musikers, der „vergaß“ das zu erwähnen, GEMA-pflichtig werden will. Usw. usf.. Und so lange die GEMA-Vermutung noch existiert kann eine etablierte „GEMA-frei“-Datenbank es Veranstaltern, Bands und Musikern es einfacher machen, sich gegen GEMA-Forderungen zu wehren.

-> Also: Musiker, Komponisten, Texter, die ihr nicht in der GEMA seid: Tragt euch ein. Tragt eure Projekte ein!

Zeigt, wie viele wir wirklich sind! Man ist nicht erst Musiker, wenn man davon leben kann. Man ist Musiker, wenn und weil man Musik erschafft!


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Ein Gedanke zu “„Operation GEMA-Vermutung“ des Musikpiraten e.V.

  • DrNI

    Man könnte auch mal bei Jamendo.com fragen, ob sie Angaben machen wollen (oder können/dürfen), wie viele deutsche Künstler sie im Programm haben. Da Jamendo auf CC setzt und das automatisch inkompatibel mit der GEMA ist, dürfte das auch schon interessant sein.