Ich bin ein Land
Erkunde mich
Steig auf die Knochenberge
Und sink ins tiefe, tiefe Tal
Hab keine Angst vor mir
Du bist willkommen hier
Aber niemals, niemals, niemals daheim
Denn da wohnen wilde Wesen
Stolz und frei, geheimnisvoll
Gefährlich und allein
Ich bin ein Land
Erkunde mich
Die Atemwolken tragen dich
Bis in den Regenwald der Tränen
Dort fließt der Lavafluß
Dort schreit der Leopard der Lust
Und jagt dich weit und weit und weit hinauf
Bis in die einsamsten Gebirge
Schattenlos, nächtelang
Du Beutetier
Gefangen und verzehrt
Ich bin ein Land
Erkunde mich
Schlaf unter meiner Sonne ein
Laß dich von Vogelschwärmen wecken
Geh ein und aus
Doch bau dir nie ein Haus
Weil meine Erde bebt und bebt und bebt
Und immer wieder neu entsteht
(09/2008 live auf dem Fair Trade Festival in Würzburg)
Ich hörte ein Lied
Das kam von weit her
Und seine Töne
Sagten zu mir:
Wiederhole
Diesen Ton
Wiederhole
Ton für Ton
Nur immer wieder
Diesen Ton
Ich hörte ein Lied
So monoton
Ich hörte ein Lied
Monatelang
Nur dieses Lied
Und es begann
Mit einem Ton
Der wiederholte
Monoton
Einen Gesang
Wer den verstand
Der kam von weither
Ich hörte ein Lied
Ich legte mich lang
Mein Ohr das trank
Der Teppich sank
Der Boden unter mir zersprang
In tausend Stücke und verschwand
Und gab den Blick frei…
Tief unter mir ging eine Sonne
Doch über mir war nichts als Sand…
Es schien mir logisch, daß ich lachte
Als ich mich drehte, sah ich dann:
Ich flog über ein leeres Land…
Bis Trommeln sprachen
Jetzt halt an
Ich sah ein Weib
Ich sah die Trommel
Ich schwör ich tanzte wie ein Mann
Ich höre ein Lied
Ich bin im Bann
Ich bin der Sklave
Deiner Takte
Bin nur ein Diener
Deiner Tänze
Dir dieses Lied
Zu wiederholen
Nur immer wieder
Wiederholen
Solang, bis du den Widerstand aufgibst
Vernunft auf Brunft reimst
Und den Reim einsiehst…
Solang, bis du
Den Rhythmus liebst
Den einen, neben dem es
Keinen andern gibt…
Ich höre ein Lied
Ein einziges Lied
Und ich bezweifle, daß es noch
Ein anderes gibt
Laß uns bezweifeln, daß es andere
Jemals gab noch gibt…
Meinungsmacher
Sündbockschlächter
Zynikat der
Menschverächter
Wachsfiguren
Kriechnaturen
Lobbyhuren
Lobbyhuren
Eins habt ihr übersehen
Eure Chefs sind wir
Wir haben euch nicht gewählt
Dafür dass ihr uns ruiniert
Diäten gibt’s jetzt keine mehr
Für euch genügt Hartz IV
Und das wird noch versteuert.
Habt ihr gehört von dem schlafenden Paar?
Sowas gehört doch besungen
Man fand sie zusammen in ihrem Grab
Fand sie einander umschlungen
Lagen seit fünftausend Jahren
Unter der Erde, dem Sand
Geschützt auch vor Wölfen und Raben
Und ihre Zeit hält noch an
Orte verändern sich, doch eines bleibt
Bestehen vor den Gewalten
Unberührt von den Stürmen der Zeit
Hat sich ein Frieden erhalten
Denn wird auch Geschichte geschrieben
Mit Kriegen, Intrigen und Mord
Überdauern dies doch, die sich lieben
Immer schon waren sie dort
Und sie werden noch liegen, wenn unsere Menschheit
Versunken ist und längst vergessen
Wenn nichts mehr kündet von heutigem Streit
Nichtmal versteinerte Fressen
Denn wird auch Geschichte geschrieben
Mit Kriegen, Intrigen und Mord
Überdauern dies doch, die sich lieben
Immer schon waren sie dort
Und unter enttäuschtem Aasvogelschrei
Seh ich deine Wimper erbeben
Und zwinker dir zu, denn wir tanzen dabei
Im Schlaf schon ein weiteres Leben
Und wird dort Geschichte geschrieben
Mit Kriegen, Intrigen und Mord
Überdauern wir dies, weil wir lieben:
Immer schon waren wir dort
(09/2008 live auf dem Fair Trade Festival in Würzburg)
Die Angst, die du noch nicht bezwungen hast
Irgendwo in dir drin
Das Lied, das du noch nicht gesungen hast
Irgendwo in dir drin
Die Liebe, die du verbannt hast
Irgendwo in dir drin
Das Glück, das du nicht erkannt hast
Irgendwo in dir drin, irgendwo in dir drin.
Die Tränen, die niemals geflossen sind
Irgendwo in dir drin
Die Pläne, die niemals beschlossen sind
Irgendwo in dir drin
Der Wunsch, den du dir versagtest
Irgendwo in dir drin
Der Verlust, den du nie beklagtest
Irgendwo in dir drin, irgendwo in dir drin.
Der Stern, der den Tag verkündet
Irgendwo in dir drin
Der Funke, der dich entzündet
Irgendwo in dir drin
Der Boden, auf dem du stehen kannst
Irgendwo in dir drin
Die Richtung, in die du gehen kannst
Irgendwo in dir drin, irgendwo in dir drin.
Der Baum, der sich selber pflanzte
Irgendwo in dir drin
Der Tanz, der sich selber tanzte
Irgendwo in dir drin
Die Stimmen der Götter raunen
Irgendwo in dir drin
Die stummen Gefühle staunen
Irgendwo in dir drin, irgendwo in dir drin.
Irgendwann hast du die Schnauze voll
Und schreist deine ganze Wut hinaus.
Irgendwann schraubst du die Nummernschilder ab
Und streckst der Überwachungskamera die Zunge raus.
Irgendwann hast du deinen Pass verloren
Und lässt dir keinen neuen machen.
Irgendwann kannst du über das, was die Politiker versprechen,
Nur noch bitter lachen.
Irgendwann steht dir das Wasser bis zum Hals
Und du fängst zu schwimmen an.
Doch ich würde gerne wissen
Doch ich würde gerne wissen, wann
Doch ich würde gerne wissen, wann ist irgendwann?
Irgendwann kochst du um vier Uhr früh Kaffee
Für den Mann, der jeden Morgen deine Zeitung bringt.
Irgendwann sagst du deiner Nachbarin
Dass ihr rassistisches Geseier bist zum Himmel stinkt.
Irgendwann ist dir dein Anzug viel zu eng
Und die Krawatte viel zu glatt.
Irgendwann fragst du die Kassiererin im Supermarkt
Warum sie so verweinte Augen hat.
Irgendwann schaltest du das Radio aus
Und fängst selbst zu singen an.
Doch ich würde gerne wissen
Doch ich würde gerne wissen, wann
Doch ich würde gerne wissen, wann ist irgendwann?
Irgendwann tauschst du deinen Fernsehapparat
Gegen eine Kiste Wein.
Und du lädst all deine Freunde
Zu einer großen Fete ein.
Irgendwann habt ihr alle gemerkt
Dass es so nicht weitergeht
Und dass ihr nur was verändern könnt
Wenn ihr zusammensteht.
Irgendwann hört ihr zu reden auf
Und fangt zu handeln an.
Doch ich würde gerne wissen
Doch ich würde gerne wissen, wann
Doch ich würde gerne wissen, wann ist irgendwann?
Es ist mitten in der Nacht
Doch ich bin auf einmal wach,
Vor dem Fenster schweigt die Dunkelheit.
Die Gitarre lehnt am Stuhl,
Auf den Saiten glänzt der Mond,
Aus den Ecken kriecht die Einsamkeit.
Aber irgendwo singt jemand jetzt ein Lied
Von einer Frau, die ganz allein am Fenster steht
Irgendwo singt jemand jetzt ein Lied
Und weiß genau, wie es mir geht.
Irgendwo ist es jetzt Tag,
Irgendwo ist viel zu tun,
Irgendwo wird grad Musik gemacht.
Irgendwo schlägt eine Uhr,
Irgendwo verstummt der Lärm,
Irgendwo beginnt schon bald die Nacht.
Irgendwo singt jemand jetzt ein Lied
Von einer Frau, die ganz allein am Fenster steht
Irgendwo singt jemand jetzt ein Lied
Und weiß genau, wie es mir geht.
Ich weiß, irgendwo bist du,
Ich weiß, du hörst mir jetzt zu,
Viele Meilen fern und doch so nah.
Ich weiß gar nicht, wer du bist,
Aber du weißt, wie es ist,
Wenn ich an dich denke, bist du beinah da.
Irgendwo singt jemand jetzt ein Lied,
Und du wünschst dir, daß dieser Jemand dich versteht.
Irgendwo sing ich dir jetzt ein Lied,
Ich weiß genau, wie es dir geht…
Als ich damals fortging
War ich noch nicht gebrannt
Wollte Feuer fangen
In meiner hohlen Hand
Viele heiße Jahre lang
Bis mein Herz zersprang
Und ich mich plötzlich wiederfand
In diesem kalten Land
Geld regiert das Leben
Und Angst regiert die Welt
Schweigen wird vergoldet
Wer übrig bleibt, der fällt.
Spiele des Vergessens
Brot vom Supermarkt
Ich hab´s viel zu oft gefressen
Und schon lang nichts mehr gewagt
Will ich wieder fortgehn
So weiß ich nicht, wohin
Will ich lieber bleiben
Frag ich nicht mehr nach dem Sinn.
Singe meine Lieder
An die harte Wand
Gegen die ich immer wieder
Mit dem Kopf gerannt.
Vor den leeren Stühlen
Sing ich meinen Traum.
Publikum klatscht Beifall
Jedem Fernsehclown.
Wer traut sich zu singen?
Wer traut sich zu schrei´n?
Und wer traut sich zuzuhören?
Welche Stimme stimmt mit ein?
Wenn ich von hier fortgeh
Leise, unerkannt
Trag ich etwas Asche
In meiner hohlen Hand
Darin glimmt ein Funke
Und er wird zum Brand
Ich hab das Feuer doch gefangen
Hier im kalten Land.
Hörst du mir zu
Wenn ich leis´ für dich sing
Oder träumst du dich fort
Willst du anderswo sein
Kannst du verstehen
Was die Stille dir bringt
Denn wenn ich jetzt verstumme
Dann bist du allein
Du gehst nach Haus
Und vergißt diesen Tag
Und vergißt auch mein Lied
Doch es ist wie ein Dorn
In deinem Herzen
Bis der Vorhang zerreißt
Und du weißt, was du willst
Denn dein Durst ist gestillt
Lieder sind Quellen und Lieder sind Brot
Lieder sind Hoffnung und Lieder sind Not
Lieder sind Flammen und Lieder sind Wind
Lieder sind viel mehr als Lieder sind
Hast du den Mut
Neue Wege zu gehn
Oder folgst du der Spur
Die man für dich gebahnt
Offenes Herz
Kann in Freiheit bestehn
Offenes Ohr
Hat die Zukunft erahnt
Hörst du mir zu
Wenn ich leis´ für dich sing
Oder singst du mit mir
Deine Stimme hat Raum
Antwort und Frage
Schenken wir her
Wir verwandeln das Ziel
Und verkünden den Traum
Lieder sind Quellen und Lieder sind Brot
Lieder sind Hoffnung und Lieder sind Not
Lieder sind Flammen und Lieder sind Wind
Lieder sind viel mehr als Lieder sind…
Vampirella kam zu Tarzan
Fragte, wo der Dschungel wohnt
Ihr Gummikleid schimmerte naß vor Feuer
Das hob sein Ufo hoch zum Mond
Hey, hey, tanz mit mir – sonst tu ich´s allein
Sie sprach´s und ließ ihn stehn
Mit seinem Talent in seiner 501
Durchs Stroboskoplicht flog ein Herz
Hämmerte lauter als der Schall
Ejakulierte himmelwärts
Begann zu träumen von Gewalt
Doch alles half nichts: Sie war fort
Und tanzte unerreichbar schön
Nur mit sich selbst. An einem Ort
Der kaum zu fassen war
Nur gut zu sehn
Dort auf dem Hügel trug sie nur Nebel
Ihr Dreieck roch nach Wildsau-Fell
Sie zog ein Messer
Und rief den Mond an:
Macht die Nacht hell!
Auf diesen Ruf hin kamen alle Geister
Begeistert schrie sie: Nein, nein, nein!
Wer hat den besten Besen – nur ein Meister
Darf in meinem Vulkan tätig sein!
Das hörte einer, der trat vor sie hin
Mit Schwanz und Hörnern: Na, wie wär´s?
Der steht dir gut, staunt sie, wer bist´n du?
Grinst er: Der Junge aus dem ersten Vers
Dort auf dem Hügel hielten sie Hochzeit
Herr Tarzan und Frau Vampirell´
So kam der Dschungel
In die Wildsau:
Mach die Nacht hell!
Meine Liebe ist ein Vogel
Und fliegt weit übers Meer
Fliegt so weit übers Meer
Wie der Wind sie trägt
Doch die Flügel meiner Liebe
Werden müde und schwer…
Wenn der Wind sich legt.
Wo ist neues Land
Ein weiter Strand?
Wo kann ich rasten und ruhen
Und diese Nacht überstehn?
Meine Liebe liegt im Dunkel
Dieser eisigen Nacht
In der eisigen Nacht
Da ist alles still.
Tiefes Schweigen
Meine Liebe hält die einsame Wacht…
Die nicht enden will.
Wann beginnt der Tag
Der helle Tag?
Wann wird das Land wieder farbig
Wann kann die Sonne ich sehn?
Meine Liebe ist verborgen
Wie der Weizen im Feld…
Den die Erde deckt.
Meine Liebe schläft geborgen
Und weiß nichts von der Welt
Von der blühenden Welt
Bis das Licht sie weckt.
Wann wird sie erblüh´n
Im jungen Grün
Und sich ans Leben verschenken
Furchtlos
Und leuchtend
Und frei?
Heimat ist kein Boden, ist kein Land für mich
Heimat ist kein Grenzverlauf, kein Nationalgericht
Heimat ist kein Stofftuch, geschwenkt zum Fußballsieg
Doch leicht läßt sich erraten, wo meine Heimat liegt
Sie ist, ganz klar, die schönste, die schönste auf der Welt
Ganz egal, wovon oder worüber man erzählt
Drum will ich sie hier feiern, ein ums andere mal
Sie ist mein Trost im Unglück, mein Himmel und mein Tal
Sagt mir nicht, sie sei häßlich, kantig, hart und rauh
Noch hat sie viel mehr Kurven als so manche schöne Frau
Weiland meine Mutter brachte sie mir bei
Ich meine meine Sprache
Ich sprech von meiner Sprache
Ich sprach von meiner Sprache
Laut und hart und wild und schön
Und weich und süß und angenehm
Und leis´ und echt, manchmal verpönt
Doch geil und gut, sündheiß im Blut
Und zauberkräftig, aber heftig
Wer ist ihrer heut´ noch mächtig
Lachend, weinend, nicht nur reimend
Aber immer dein Herz meinend
Dornig, pfeilgenau und deutsch und frei
Und warum diese Sprache meine Heimat ist?
Weil, wenn Deutschland untergeht, ich sie als einziges vermiß
Drum laßt sie uns hier feiern, ein ums andere mal
Sie ist mein Trost im Unglück, mein Himmel und mein Tal
Ganz klar, sie ist die schönste, die schönste auf der Welt
Ganz egal, wie sehr man sich mit ihr manchmal abquält,
Zum Donner! Kommt, wir woll´n sie feiern, ein ums andere mal
Unsere deutsche Sprache: als Himmel und als Tal
Über die Mauer ins Land
Nie zurückgeschaut, nur gerannt
Unter Autobahnbrücken gesessen
Und unreife Äpfel gegessen
Frage und gebe nicht viel
Folge dem Weg ohne Ziel
Lockt mich ein gastlicher Ort
Geh ich schon bald wieder fort
Nächte in Städten und Tage im Wald
Die Gitarre verstimmt und die Füße kalt
Aber bleib mir vom Leib, ich bin ein wildes Weib
Hab ein Messer im Schuh
Und mein Herz bleibt zu.
Nahm und gab dir nicht viel
Auch für dich war´s ein Spiel
Aber als ich dir wieder entglitt
Nahm ich die Erinnerung mit
Weiter und weiter durchs Land
Nie zurückgeschaut, nur gerannt
Um die Stadt einen Bogen gemacht
Doch an dich immer wieder gedacht
Nächte im Warten und Tage im Gehn
Will ich weiterziehn oder dich wiedersehn?
Ja, ich sehn mich nach dir, doch ich bleibe bei mir –
Hab ein Messer im Schuh
Und mein Herz bleibt zu.
Hab mit Lastwagenfahrern gesungen
Bin aus fahrenden Autos gesprungen
Hab getanzt unterm südlichen Mond
Und an nördlichen Stränden gewohnt
Wochenlang kein Wort gesprochen
Mich in fremden Armen verkrochen
Wärme und Lachen gefunden –
Und bin dann ganz plötzlich verschwunden
Nächte in Tränen und Tage im Stolz
Hab ´nen weichen Kern, bin aus hartem Holz
Früher war ich allein, heute will ich es sein
Hab ein Messer im Schuh
Und mein Herz bleibt zu.
Ich lebe fünftausend Meter tief unten im Meer
Und wenn ich etwas fange, geb ich’s nicht mehr her.
Ich fange alle die Fische, die viel zu tief fliegen
Und den kühlen Gefahren des Abgrunds erliegen,
Ich fange die Steine, die willenlos sinken
Und die alten Piraten, die lächelnd ertrinken,
Und manchmal, da fang ich sogar einen Traum
Den jemand versenkte, doch ich spüre ihn kaum.
Ich bin ein Monster
Tief unten im Meer
Und keine Sonne scheint zu mir her.
Ich habe Augen im Kopf und doch kann ich nichts sehen,
Ich denke und denke und kann nichts verstehen,
Ich habe Hände, die Kaltes und Totes berühren
Und ich möchte so gern was Lebendiges spüren,
Ich kenn keine Farben, ich kenne kein Licht
Und manchmal da wünscht ich, es gäbe mich nicht,
Ich rede nur mit mir selbst und ich fall mir in’s Wort.
Ach, ich möchte so wahnsinnig gern von hier fort!
Ich bin ein Monster…
Ich lebe fünftausend Meter tief unten im Meer
Doch um nach oben zu steigen, nehm ich mich zu schwer.
Ich bin am Boden der Tatsachen, knietief im Stein
Und wenn ich weiter so jammere, bleib ich allein.
Ich müsste nur meine zahlreichen Flossen bewegen,
Das Wasser durchgleiten, der Sonne entgegen,
Dort oben sind Farben, dort oben ist Licht,
Doch ich bleibe hier unten, denn ich traue mich nicht.
Als ich geboren wurde
War hier ein Meer, voll urtümlicher Wesen, voller Schönheit und Gefahr.
Die schlanken Fischsaurier jagten in den Wogen, und ich
Trug Ammoniten im Haar.
Die Erde hob sich und die Kontinente wuchsen, doch noch
Hielt die See die junge Welt in ihren nassen Armen.
Mit meinen Schwestern lebte ich im uferlosen Wasser, und wir
Schwammen weit und schwammen lang.
Die Zeit verging, wir sahen Land von ferne, sahen auch die Menschen, wie sie
Wuchsen und bauten und auf zwei Beinen gingen.
Und manchmal wagten sie sich in unser Element,
Wir lehrten sie schwimmen,
Wir lehrten sie singen.
Doch irgendwann, da machten sie uns zur Legende,
Denn die Frauen aus dem Meer paßten nicht mehr in ihren Plan.
Wir winkten noch einmal zum Ufer, aber niemand sah herüber, und wir
Tauchten tief und tauchten lang.
Verwandelt sind wir,
aufgestiegen, aufgetaucht,
wir atmen Luft und gehen mit wunden Füßen durch die Welt
Ich will nach Hause, doch die See wirft mich zurück,
sogar die Flüsse spülen mich an ihre Ufer und dort
Finde ich nur
Muschelkalk
Versteinerte Erinnerungen
Oh, ich weiß noch wie es war:
Die schlanken Fischsaurier jagten in den Wogen und ich
Trug Ammoniten im Haar.
Ich würde gern vergessen, es ist schon so lange her,
Doch tief in meinem Herzen bin ich immer noch die Frau vom Meer.
Wenn mich auch niemand mehr erkennt,
Ich bin vertrieben, aufgerieben,
Aber hier steht es ja alles aufgeschrieben
Im Muschelkalk
Versteinerte Erinnerungen
Oh, ich weiß noch wie es war
Die schlanken Fischsaurier jagten in den Wogen und ich
Trug Ammoniten im Haar
Geh über Eis
Über Gras und über Stein
Geh über Sand
Hand in Hand oder allein
Geh über Glut
Unverzagt und unverletzt
Aus dem Damals in das Jetzt
Geh immer nach Haus.
Geh durch die Nacht
Denn am Morgen kommt das Licht
Geh durch die Angst
Denn dann zeigt sie ihr Gesicht
Geh nicht zurück
Geh verloren, fremd und scheu
Und dann finde dich ganz neu
Geh immer nach Haus.
Geh aus dem Schmerz
Schritt für Schritt wirst du gesund
Sei unterwegs
Und sei Auge, Ohr und Mund
Was auch geschieht
Was du hörst und was du siehst
Auf den Straßen, die du ziehst:
Du gehst immer nach Haus.