Bandcamp in Köln 1


19. Mai 2009, um 15:10 Uhr

Beim Bandcamp in KölnWie funktioniert ein Song? Und wem verkaufst du deinen? Wie spricht man mit Journalisten und überlebt vor Kameras? Wie optimiert man Proben, Bewerbungen, Live-Zusammenspiel?

Die Themen waren zahlreich beim Bandcamp in Köln. Eine interaktive Workshop-Woche – nicht nur für Anfänger. Erfahrene Profis von Bühne und Business dozierten über fast alles, was Musikschaffen heute mit sich bringt. Mit von der Partie waren Channel Eight, Dear Lament, Drei Tage Tape, Mads77, Random 4, Tiana, Zen Zebra … und die Singvøgel. Neben den überaus praktikablen, zum Teil herausragenden Beiträgen — man lernt in der Tat nie aus! — begeisterte uns vor allem, wie das alles ineinandergriff und sich ideenreich verweben konnte. Und spätestens im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen war das Bandcamp mehr als die Summe seiner Teile…

Uli Anders lotste uns nicht nur auf ein feines Konzert im Blue Shell, sondern ebenso fachmännisch durch typische Tücken bei Fernsehinterviews. Wer jetzt noch versuchen sollte, uns von unten oder von oben abzulichten, kann sich auf freundlich-beharrlichen Widerstand gefaßt machen! 😉

Winnie Ebert brachte als ehemaliger Direktor der EMI ein ganzes Berufsleben voller Erfahrungen mit – und ganz nebenbei stellte sich heraus, daß die Welt mal wieder ein Dorf ist und wir gemeinsame Bekannte in Wien haben!

André Michelle erklärte uns ein im Entstehen begriffenes Tool, das irgendwann einmal internet-basierte Recording-Kollaborationen ermöglichen soll (darauf ist natürlich Karan sehr gespannt, eröffnet es doch viele Möglichkeiten für FAWM…)

Marleen Mützlaff vom deutschen Musikrat informierte uns über Förderungsmöglichkeiten für Bands. Zu unserer Freude gibt es doch einige (wenn auch wenige) ohne diese fast allgegenwärtige Altersdurchschnittsbegrenzung auf 27 Jahre (wir überlegen schon, ein paar Fünfjährige mit Rasseln mit auf die Bühne zu nehmen… Hat jemand welche über?)

Martin Quodbach referierte zu Rechtsfragen und bestätigte uns darin, daß Kunstschaffenden in diesem Land eine Bürokratie zugemutet wird, die schon fast ein Jurastudium erforderlich macht.

Ben Schadow coachte uns in sehr ermutigender Weise zum Thema Songwriting. Er ist Bassist bei Kira und bei Bernd Begemann und hat gerade eine eigene Platte aufgenommen. Wir sind gespannt!

Carsten Schumacher informierte uns darüber, wie man Journalisten hegt, pflegt und artgerecht füttert. Außerdem empfahl er uns, quer über die Kontinente nach „verwandten Kollegen“ zu suchen, sprich: nach Leuten, die Ähnliches machen wie wir. Vielleicht läßt sich auf diese Weise auch endlich mal das Mysterium unserer Stilfrage klären…

Peter Sommer ist einer der letzten seiner Art. Als Redakteur des WDR-Rockpalastes hält er beharrlich und begeistert die Stellung wider den ausufernden musikalischen Einheitsbrei im Fernsehen. Hoffen wir mal, daß er das noch sehr, sehr lange tut!

Die Sängerin Nina Thomas nahm unsere Performance unter die Lupe und gab uns gute Ratschläge zur Verbesserung unserer Bühnenshow und zum Proben ganz allgemein. Außerdem verblüffte sie das gesamte Publikum eines Kölner Karaoke-Clubs mit ihrer grandiosen Interpretation von Aretha-Franklin-Songs.

Michael Tlusty erklärte uns, wie wir unser Marketing schlagkräftiger ausbauen können. Im Gegensatz zu manchen anderen Marketing-Spezialisten spricht er nicht aus der Theorie, sondern hat all diese Methoden bereits selber umgesetzt. Ran an den Speck!

Thorsten Wingenfelder von „Fury in the Slaughterhouse“ berichtete vom Verlauf seiner eigenen Musiker-Karriere – aber auch darüber, was Musik eigentlich bedeutet: die Übermittlung von Empfindungen, von dem, was berührt und bewegt. Wir sehen uns da in einem sehr ähnlichen Horizont und haben uns gefreut über die schöne Begegnung.

Den Laden am Laufen hielten Anna Shturmina und Frank Baudys, die allen von außen dräuenden Pannen und Unvorhersagbarkeiten (erkrankte Dozenten, Raumprobleme, im Stau steckende Bands, nicht zur Verfügung stehende Kochgelegenheiten) nach Kräften trotzten und uns eine spannende Woche ermöglichten.

Herzliche Grüße und Dank an alle für diesen intensiven Coaching-Kessel!

Und natürlich auch an Jens, der uns eine Woche lang Unterkunft bot.


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